Der Passagier

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Juni 2020
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Inhalt

Die ehemalige KZ-Aufseherin Lisa glaubt 15 Jahre nach Kriegsende auf dem Schiff den früheren weiblichen Häftling Martha (in einer anderen Passagierin) zu erkennen. Die Szenen finden abwechselnd auf dem Schiff und in Auschwitz statt, die Schlussszene am Heimatfluss Marthas.

 

Erster Akt

Erstes Bild. Auf dem Schiff

Anna Lisa Kretschmar (geborene Franz) befindet sich mit ihrem Ehemann, einem angehenden Botschafter, mit dem Schiff auf dem Weg zu seinem zukünftigen Bestimmungsort in Südamerika.

Lisa, eine ehemalige KZ-Aufseherin, glaubt an Bord die ehemalige Gefangene Martha zu erkennen. Die Oberaufseherin erscheint ihr in einem Rückblick „Seien Sie nicht so zögerlich“. Sie gesteht ihrem Mann ihre damalige Zugehörigkeit zur SS. „Es ist wahr, ich war in Auschwitz, aber deshalb bin ich noch lange keine Verbrecherin. Ich habe niemals jemanden geschlagen.“

Ihr Mann reagiert mit Karriereängsten und dem Gefühl betrogen zu sein. Als Anna ihn um Verzeihung bittet, tröstet er sie: „Jeder hat das Recht, den Krieg zu vergessen“.

Am Schluss der Szene erfahren beide zu ihrer Erleichterung vom Steward, dass die Unbekannte englische Staatsbürgerin ist.

Ihr Ehemann resümiert: „Wir Deutschen quälen uns selbst gern mit Zweifeln, mit Schreckensphantasien und nebligen Geheimnissen. Sentimental sind wir. Doch diese Eigenschaft macht uns reiner.“

Zweites Bild. Appell in Auschwitz

In Auschwitz beklagen sich SS-Führer über die Langeweile im Lager und die Schwierigkeit, die ihnen die Beseitigung der anfallenden Leichen bereitet. Sie trösten sich mit der Gewissheit, den Willen des Führers zu erfüllen: „Wir säubern die Erde für das Große, das Deutsche Reich. Hier in Auschwitz machen wir Geschichte“.

Die Aufseherin Lisa beschließt, Martha zu ihrer Vertrauten zu machen, um sich die Führung ihres Gefangenenkommandos, des Trupps, zu erleichtern.

Drittes Bild. Baracke

Der Chor der weiblichen Häftlinge empfängt eine Neuangekommene (Yvette aus Dijon). Andere sind aus Warschau, Kiew, Zagreb, Prag, Minsk, Paris.

Eine Griechin will sterben. Martha kann sie nicht trösten.

Eine Mutter bittet Gott um die Gesundheit ihrer Kinder und um die Bestrafung ihrer Peiniger.

Eine Gefangene stellt die Frage, ob die Deutschen auch einen Gott haben und dieser dann streng wie der Kapo sei.

Eine Frau wird brutal zusammengeschlagen.

Als bei ihr ein Zettel gefunden wird, zwingt Lisa Martha, ihn übersetzend vorzulesen. Martha betrügt sie, statt des konspirativen Kassibers deklamiert sie einen Liebesbrief.

Auf dem Schiff

In dieser kurzen Szene vor der Pause beklagt sich Lisa bei ihrem Mann über diesen Betrug, von dem sie später erfahren hat: „Sie alle haben uns gehasst, Walter! Ich … wir alle, die wir im Lager Dienst taten, konnten uns nicht damit abfinden …“ – Walter schweigt dazu.

 

Zweiter Akt

Viertes Bild. Magazin in Auschwitz

Lisa verwaltet die Geigen, die den Häftlingen abgenommen wurden. Eine wertvolle Geige wird ausgewählt, um dem KZ-Kommandanten dessen Lieblingswalzer von einem Insassen vorspielen zu lassen: „Er soll spielen, bevor er sich in Luft auflöst. So ist er doch noch zu etwas nütze.“

Der Musiker, welcher das Instrument abholen soll, stellt sich als Marthas Verlobter Tadeusz heraus, von dem sie vor zwei Jahren, nach ihrer Inhaftierung, getrennt wurde.

Als sie von Lisa überrascht werden, zeigt diese Verständnis und ermöglicht ihnen ein Rendezvous.

Die Frau, bei der das Kassiber gefunden wurde, kommt hinzu; es stellt sich heraus, dass ihr dieses von Tadeusz übergeben wurde.

Fünftes Bild. Werkstatt

In der Werkstatt des KZ erhält Tadeusz eine weitere Nachricht: „Euer Bericht wurde in Krakau rechtzeitig empfangen. Wir danken für die wertvolle Angaben. Wisst: Kiew ist befreit! Haltet durch, Freunde, und seid vorsichtig!“.

Tadeusz ist damit beschäftigt, eine Lagermadonna nach Marthas Ebenbild zu schaffen.

Als Lisa ihm anbietet, ein weiteres Treffen mit Martha zu ermöglichen, lehnt dieser ab, da er für Martha kein Risiko wünscht und nicht in Lisas Schuld stehen will.

Auf dem Schiff

Lisa Jahre später, wieder in einer kurzen Szene, gegenüber ihrem Mann über diese Ablehnung: „Er wollte von mir keine Gefälligkeiten, Walter! […] Obwohl er wusste, dass er zum Tode verurteilt war, hat er abgelehnt. Sie waren alle blind vor Hass …“.

Sechstes Bild. Baracke

Im KZ feiert Martha ihren zwanzigsten Geburtstag.

Martha setzt zu einer großen Arie an, in der sie sich mit der Allgegenwärtigkeit des Todes im Lager auseinandersetzt: „[…] möchte ich dem Tod erst in die Augen sehen, wenn er Platz genommen hat neben mir!“

Als Lisa in der Baracke auftaucht, erzählt sie Martha, dass Tadeusz es abgelehnt hatte, sie zu treffen. Martha und die Insassen halten diese Entscheidung für richtig: „Frau KZ-Aufseherin, Tadeusz hat recht.“

Mit einem Sprachunterricht beginnen die Häftlinge sich über die Zeit nach dem Krieg Hoffnung zuzusprechen. Katja singt über die Wintersonne.

Lisa erzählt Martha, dass sie ihre verbotene Kontaktaufnahme gemeldet habe und eröffnet ihre Strafe: „Du gehst in den Block, – du weißt, was ich meine …“. Vorher würde sie jedoch in dem Konzert Tadeusz’ hören müssen. „Dies wird mein letztes Geschenk an dich sein.“

Die Szene schließt ab mit einem Hilferuf an Gott und endet mit dem Zweifel „wenn es dich gibt“.

Siebtes Bild. Schiff

Lisa erfährt, dass die unbekannte Passagierin, in der sie Martha zu erkennen glaubt, doch Polin ist.

Lisa rechtfertigt ihre Vergangenheit: „Ja, ich war in Auschwitz, und deshalb bin ich sicher noch keine Verbrecherin. Ich war eine ehrliche Deutsche. Ich bin stolz, denn ich habe meine Pflicht getan.“

Ihr Mann bestätigt sie: „Es war halt Krieg. Das ist schon lange her. Jeder hat das Recht, den Krieg zu vergessen … die Zeit wusch alles fort …“

Achtes Bild. Konzert in Auschwitz

Im KZ fordert man Tadeusz auf, den Walzer zu spielen, und enthüllt ihm sein Todesurteil: „[…] Spiele wie vor Gott, dem Herrn. Du wirst dich bald mit ihm treffen.“

Statt des Walzers spielt Tadeusz jedoch Bachs Chaconne (aus der Partita d-Moll).

Die SS-Wächter zerschlagen seine Geige und führen ihn, während sie ihn brutal zusammenschlagen, ab.

Auf dem Schiff

Lisa hat ihre Furcht überwunden und nimmt an einer Tanzveranstaltung teil. Da tritt die Passagierin hinzu und überreicht der Kapelle einen Zettel mit ihrem Musikwunsch. Die Kapelle spielt den Lieblingswalzer des KZ-Kommandanten.

Epilog. Die gealterte Martha am Fluss

Martha sitzt nach Jahrzehnten an ihrem Heimatfluss, sie fragt nach ihren getöteten Freunden: „Wenn eines Tages eure […] Stimmen verhallt sind, dann gehen wir zugrunde.“

Sie erinnert sich, dass sie und ihre Mitinsassen geschworen hatten, ihren Peinigern niemals zu vergeben.

Programm und Besetzung

Künstlerisches Team


Dirigent I David Afkham

Regie I David Pountney

Bühnenbildner I Johan Engels

Kostümbildnerin I Marie-Jeanne Lecca

Iluminador I Fabrice Kebour

Chorleiter I Andrés Máspero 


Besetzung


Marta I Amanda Majeski

Tadeusz I Leigh Melrose

Katja I Anna Gorbachyova

Krystina I Lidia Vinyes-Curtis

Vlasta I Marta Fontanals-Simmons

Hannah I Aigul Akhmetshina

Yvette I Olivia Doray

Alte I Helen Feld

Bronka I Liuba Sokolova

Lisa I Daveda Karanas Daveda Karanas

Walter I Nikolai Schukoff

Erster SS-Mann I Michael Borth

Zweiter SS-Mann I Marcell Bakonyi

Dritter SS-Mann I Francisco Vas

Teatro Real

Das Teatro Real ist das führende Opernhaus Spaniens. Sie gilt als die führende Institution des Landes im Bereich Musik und darstellende Kunst. 


Die Stiftung Teatro Real wird vom König und der Königin von Spanien geleitet. Sie stützt sich auf zwei öffentliche Verwaltungen, die an ihrer Gründung beteiligt waren: das Ministerium für Bildung, Kultur und Sport und die Comunidad de Madrid (Regionalregierung von Madrid). Die Stiftung wird von einem Board mit 31 Kuratoren geleitet. Das Kuratorium wählt den Präsidenten des Vorstands und die Exekutivkommission auf Vorschlag des Ministeriums für Bildung, Kultur und Sport. Die Stiftung ist eine öffentliche Einrichtung, und die Zivilgesellschaft spielt bei ihrer Leitung und Förderung eine wichtige Rolle. 


Ziel des Teatro Real ist es, einen Ort für die talentiertesten Sänger, Dirigenten und Regisseure aus aller Welt zu schaffen. Seine künstlerische Mission drückt sich in einem Programm aus, das Exzellenz sucht, indem es klassisches und zeitgenössisches lyrisches Repertoire kombiniert, um ein Publikum jeden Alters und jeder Interessenlage anzusprechen. Die Einführung von Jugendlichen und Kindern in die Oper ist ein besonderes Anliegen. All dies, zusammen mit dem Principal Chorus und dem Orchester des Teatro Real, modernster technologischer Expertise und der großen Anzahl von Eigenproduktionen auf Bühnen auf der ganzen Welt, hat das Teatro Real in Spanien und im Ausland fest positioniert. 

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