Die Reise nach Reims

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Januar 1970
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Handlung

 

Einziger Akt

Salon mit Zugang zu verschiedenen Zimmern auf beiden Seiten und einem Tisch rechts im Hintergrund

Szene 1. Es ist der 28. Mai 1825, der Vortag der Krönung Karls X. Auf dem Weg zu den Feierlichkeiten ist im Badehotel „Zur goldenen Lilie“ in Plombières eine internationale Gesellschaft eingetroffen. Die Hausdame Maddalena spornt die schwerfälligen und nachlässigen Angestellten zur Arbeit an (Introduktion: „Presto, presto… su, coraggio!“).

Szene 2. Der Hotelarzt Don Prudenzio erscheint mit einigen weiblichen Badangestellten und dem Haushofmeister Antonio. Sie sollen sich nicht um ihre üblichen Aufgaben kümmern, sondern nur noch um die vornehmen Gäste, deren Abreise bevorsteht. Don Prudenzio überprüft, ob die Speisen exakt nach seinen Anordnungen zubereitet wurden.

Szene 3. Madama Cortese, die aus Tirol stammende Eigentümerin des Hauses, würde nur zu gern mit ihren Gästen der Krönung beiwohnen (Arie: „Di vaghi raggi adorno“). Da das nicht geht, will sie wenigstens dafür sorgen, dass alle ihr Hotel in guter Erinnerung behalten. Ihre Angestellten sollen sich daher mit den Gästen über ihre jeweiligen Interessen unterhalten: mit Don Profondo über Altertümer, mit Cavaliere Belfiore über hübsche Frauen, mit der Marchesa Melibea über fantastische Ideen, mit dem Moskauer Conte di Libenskof über das Kaiserreich usw.

Szene 4. Als erster Gast erscheint Contessa di Folleville, eine junge Witwe, auf der Suche nach ihrer Zofe Modestina. Sie sorgt sich, weil ihre nach der neuesten Mode geschneiderten Kleider noch nicht eingetroffen sind. Ihr Verehrer, Cavaliere Belfiore, scheint keine große Hilfe zu sein, und Modestina klagt über Migräne.

Szene 5. Don Luigino, der Cousin der Contessa trifft mit der Nachricht ein, dass die Kutsche mit den Kleidungsstücken umgekippt sei und die Schachteln beschädigt wurden. Die Contessa fällt vor Schreck in Ohnmacht. Don Luigino ruft die anderen, damit sie ihr Trost spenden.

Szene 6. Der Barone di Trombonok (ein deutscher Major und Musikliebhaber), Maddalena, Antonio und der Arzt Don Prudenzio eilen herbei und bemühen sich um die Contessa. Nichts scheint zu helfen. Don Prudenzio befürchtet gar einen Herzanfall (Accompagnato: „Ahimè! sta in gran pericolo“). Erst als er ihren Puls fühlen will, kommt die Contessa wieder zu sich und kann über ihren Verlust klagen (Arie: „Partir, o ciel! desio“).

Szene 7. Die Contessa ist zutiefst erleichtert, als Modestina eine Schachtel mit einem Hut nach der neuesten Pariser Mode bringt, den sie aus der Kutsche retten konnte. Alle Gäste bis auf den Baron ziehen sich zurück.

Szene 8. Barone di Trombonok wurde von der Gruppe zum Kassierer gewählt. Er beauftragt Antonio mit den letzten Vorbereitungen zur Abreise und denkt über das Geschehen nach. Er hält die ganze Welt für einen Käfig voller Narren (Anfang des Sextetts: „Sì, di matti una gran gabbia“).

Szene 9. Der Literat Don Profondo und der spanische Admiral Don Alvaro und die verwitwete polnische Marchesa Melibea gesellen sich hinzu. Don Profondo überreicht Barone di Trombonok sein Reisegeld. Don Alvaro stellt den beiden die von ihm verehrte Marchesa vor, die sich der Gruppe anschließen will.

Szene 10. Conte di Libenskof, ein russischer General, der gleichfalls in die Marchesa verliebt ist, unterbricht das Gespräch. Er glüht geradezu vor Eifersucht, und auch Don Alvaro nimmt seinen Rivalen sehr ernst. Alle warten nun darauf, dass die Pferde für die Abreise bereitgestellt werden.

Szene 11. Madama Cortese kann sich die Verzögerung nicht erklären. Unterdessen eskaliert der Streit zwischen Conte di Libenskof und Don Alvaro. Ein Duell scheint unvermeidlich (Andante: „Non pavento alcun periglio“). Glücklicherweise beruhigt sich die Lage, als aus dem Nebenzimmer Gesang mit Harfenbegleitung erklingt. Es ist die römische Improvisationskünstlerin Corinna. Alle hören gebannt auf ihr Lied über die Freude und die Liebe (Andantino: „Arpa gentil, che fida“).

Bei einer Aufteilung in drei Akte könnte an dieser Stelle der zweite Akt beginnen.

Szene 12. Allmählich sorgt sich Madama Cortese, warum der Reisewagen immer noch nicht eingetroffen ist. Auch ihr Bote Zefirino ist noch nicht zurückgekehrt. Der englische Oberst Lord Sidney hat sich in Corinna verliebt, weiß aber nicht, wie er ihr seine Gefühle offenbaren soll – obwohl Madama Cortese längst bemerkt hat, dass Corinna seine Liebe erwidert. Gärtner kommen herein und legen im Auftrag Lord Sidneys Blumen vor Corinnas Zimmertür (Szene und Arie: „Ah! perché la conobbi?“ – „Invan strappar dal core“).

Szene 13. Don Profondo versucht, Lord Sidney in ein Gespräch über verschiedene englische Antiquitäten zu verwickeln. Lord Sidney hat kein Interesse daran und weist ihn brüsk ab. Don Profondo nimmt ihm das nicht übel, da er von Lord Sidneys Gefühlen für Corinna weiß. Lord Sidney entfernt sich.

Szene 14. Don Profondo begrüßt Corinna und ihre Begleiterin Delia. Er übergibt Corinna einen Brief mit guten Nachrichten über Delias Heimat Griechenland. Sie versichert Delia, dass sie sie nach Reims mitnehmen werde und schickt sie fort, um ihre Sachen zu packen. Anschließend bemerkt Corinna erfreut das Gesteck Lord Sidneys – seinen täglichen Liebesbeweis. Sie steckt sich eine der Blumen an.

Szene 15. Cavaliere Belfiore trifft Corinna allein an und nutzt diese Gelegenheit zu einem Versuch, ihre Liebe zu gewinnen (Accompagnato: „Sola ritrovo alfin la bella dea“ – Duett: „Nel suo divin sembiante“). Obwohl Corinna ihn mit deutlichen Worten abweist, glaubt Belfiore, sie erobert zu haben. Don Profondo beobachtet die Szene lächelnd aus der Ferne.

Szene 16 (15bis). Nachdem Belfiore und Corinna gegangen sind, bringen zwei Diener einen Tisch mit Schreibzeug. Don Profondo stellt eine Liste mit den Wertgegenständen der Reisenden zusammen und macht sich dabei über die nationalen Charaktereigenschaften jedes einzelnen lustig (Arie: „Medaglie incomparabili“).

Szene 17 (16). Contessa di Folleville möchte von Don Profondo wissen, ob er Cavaliere Belfiore gesehen habe und ob er allein war. Don Profondo zögert zunächst mit der Antwort, da er vom Verhältnis der Contessa mit dem Cavaliere weiß und sie nicht mit dessen Annäherungsversuchen an Corinna beunruhigen möchte. Als sie es herausbekommt, wird sie zornig.

Szene 18 (17). Don Alvaro und Conte di Libenskof kommen hinzu. Sie fragen sich, warum die Reise nicht anfängt. Barone Trombonok teilt ihnen mit, dass der Bote mit schlechten Nachrichten zurückgekehrt sei. Er lässt die anderen Reisenden rufen.

Szene 19 (18). Nachdem alle eingetroffen sind, teilt der Bote Zefirino ihnen mit, dass nirgendwo mehr Pferde aufzutreiben seien. Die Fahrt kann also nicht stattfinden. Alle sind entsetzt (Anfang des Gran pezzo concertato a 14 voci: „Ah! A tal colpo inaspettato“).

Szene 20 (19). Madama bringt einen Brief aus Paris, den Don Profondo vorliest: Der König plane auch in Paris große Feierlichkeiten für alle, die nicht nach Reims kommen können. Contessa di Folleville lädt daraufhin alle in ihr Haus nach Paris ein. Alle sind begeistert. Sie beschließen, am nächsten Tag mit der öffentlichen Postkutsche dorthin zu fahren. Das dadurch gesparte Geld soll für ein Abschiedsbankett im Hotel verwendet werden. Was dann noch übrig bleibt, sollen die Armen erhalten.

Szene 21 (20). Madama Cortese beauftragt Antonio und den Hausdiener Gelsomino mit den Vorbereitungen zu einem Garten-Bankett. Alle außer Marchesa Melibea, Conte di Libenskof und Barone Trombonok entfernen sich.

Bei einer Aufteilung in drei Akte könnte an dieser Stelle der dritte Akt beginnen.

Szene 22 (21). Barone Trombonok vermittelt zwischen Marquise Melibea und Conte di Libenskof.

Szene 23 (22). Conte di Libenskof erklärt Marquise Melibea seine Liebe und entschuldigt sich für seine Eifersucht (Szene: „Di che son reo?“). Nach einigem Zögern schwindet ihr Zorn, und sie reicht ihm „ihre Hand und ihr Herz“ (Duett: „D’alma celeste, oh dio!“).

Hell erleuchteter Garten mit einem festlich hergerichteten Tisch

Szene 24 (23). Antonio, Gelsomino und die anderen Diener haben die Vorbereitungen zum Bankett abgeschlossen. Gelsomino macht sich auf, um die Gäste zu holen.

Szene 25 (24). Maddalena wurde von Madama Cortese gesandt, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Sie kann kaum glauben, dass tatsächlich schon alles fertig ist. Sie teilt Antonio mit, dass Barone Trombonok zum Bankett eine Wandertruppe von Musikern und Tänzern eingeladen hat.

Szene 26 (25). Das Bankett beginnt mit dem Auftritt der Wandertruppe (Finale: „L’allegria è un sommo bene“). Die Festgäste setzen sich an den Tisch. Barone Trombonok bittet alle Anwesenden, im Sinne der Harmonie unter den europäischen Ländern einen Trinkspruch aus ihrer jeweiligen Heimat darzubringen. Er selbst beginnt mit der Melodie zu Haydns Gott erhalte Franz den Kaiser. Marchesa Melibea trägt eine Polonaise vor, Conte di Libenskof eine russische Hymne und Don Alvaro ein spanisches Lied. Der nach eigener Aussage unmusikalische Lord Sidney kennt lediglich God Save the King. Darauf vereinen sich die beiden Franzosen Contessa di Folleville und Cavaliere Belfiore zu einem gemeinsamen französischen Lied. Schließlich bringt Madama Cortese eine Weise aus Tirol dar, in die Don Profondo einstimmt. Barone di Trombonok bittet Corrina, den Schlussbeitrag zu leisten. Um das Thema ihrer Improvisation zu bestimmen, machen die Anwesenden verschiedene Vorschläge, die zum Teil aus der Geschichte Frankreichs stammen, wie Jeanne d’Arc oder die Schlacht von Tolbiac. Per Los ausgewählt wird schließlich der französische König Karl X. Corinna improvisiert von der Lyra begleitet einen Lobgesang auf Frankreich und den neuen König, in den abschließend alle anderen einstimmen.

Programm und Besetzung

Musik von Gioachino Rossini
Kritische Ausgabe Fondazione Rossini/Universal Music Publishing Ricordi, herausgegeben von Janet Johnson


Dirigent: LUCA BALLABIO

Regie und Ausstattung: EMILIO SAGI

Neu inszeniert von MATTEO ANSELMI

Kostüme: PEPA OJANGUREN


Interpreten


Dolmetscher der Accademia Rossiniana "Alberto Zedda"

ORCHESTER SINFONICA G. ROSSINI

Produktion 2001, neu inszeniert

Live-Streaming der Erstaufführung.

Teatro Rossini

Es handelt sich um ein hufeisenförmiges Theater ("italienischer Stil"), das 1637 als Teatro del Sole erbaut wurde. Es wurde 1818 in seiner heutigen Form wieder aufgebaut und von Gioachino Rossini eingeweiht, nach dem es 1855 umbenannt wurde. Die letzte Restaurierung fand 2002 statt; es verfügt über insgesamt 800 Sitzplätze, Logen und Orchesterparkett.

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