Elektra

Tickets kaufen
Januar 1970
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So

Dies erwidert Elektra auf die Nachricht, die ihr von ihrer Schwester Chrysothemis überbracht wird: Ihr lang erwarteter und unverhofft erschienener Bruder Orest wird bejubelt, weil er zunächst ihre Mutter Klytämnestra und danach deren Liebhaber Aegisth, den neuen Herrscher über die Stadt, ermordet hat. Bald darauf spricht Elektra ihre letzten Worte, bevor sie tot zusammenbricht: „Ich trage die Last des Glückes, und ich tanze vor euch her. Wer glücklich ist wie wir, dem ziemt nur eins: schweigen und tanzen.“ Der Tod ihres Vaters Agamemnon ist endlich gerächt, der Kreislauf der Gewalttaten schließt sich, und der Kreislauf des Lebens könnte endlich neu beginnen. Der einsame Wahn Elektras, der außer dem Schatten ihres Vaters nichts gelten ließ, war diesem ein lebendiges Grabmal geworden. Sie stirbt einige Minuten nach ihrer Mutter, die zwar ihre Feindin gewesen war, ohne die Elektras Leben aber keinen Sinn mehr hat: Die Welt von einst, ob nun geliebt oder verhasst, war Elektras einzige Daseinsberechtigung gewesen, und nun gibt es sie nicht mehr. Nur Orest und Chrysothemis versuchen, auf diesem Trümmerfeld dem Leben Raum zu geben. Mit der Opferung ihrer Schwester Iphigenie, die dem griechischen Heer etwa 20 Jahre zuvor die Einnahme Trojas ermöglichen sollte, war die Katastrophe losgetreten worden — den Mord an ihrem Kind hatte Klytämnestra Agamemnon nie verziehen. Diese Katastrophe scheint nun ihr Ende zu finden. Zumindest vorerst. Denn von nun an wird Orest mit der Erinnerung an den unsühnbaren Muttermord leben müssen. Hier, im Dunkel der Nacht Mykenes, stirbt Elektra in dem Augenblick, als ihr einziger, zwanghaft ersehnter Wunsch Wirklichkeit wird, in einem Zustand geistiger und körperlicher Erschöpfung — im wilden Tanz um das Beil, das einst ihren Vater getötet hatte.


Hugo von Hofmannsthals Schauspiel wurde 1903 in der Regie von Max Reinhardt in Berlin uraufgeführt. Es erschüttert durch seine Intensität und Brutalität, beeindruckt durch die in ihrem Reichtum und in ihrer Qualität einmalige Sprache. Kaum etwas erinnert hier noch an das Werk von Sophokles, auf dem es beruht. Der junge österreichische Autor hatte Nietzsches Geburt der Tragödie, die Studien über Hysterie von Josef Breuer und Sigmund Freud sowie Freuds Traumdeutung gelesen und war dadurch entscheidend geprägt worden. Das lichte Griechentum eines Winckelmann oder Goethe hatte mit der Jahrhundertwende der finsteren, brutalen, fast barbarischen Seite dieser Zivilisation Platz gemacht. Die Irrgänge der menschlichen Seele schienen nun dunkler. Die von der neu aufkommenden Psychoanalyse beleuchteten Krankheitsbilder beflügelten die Fantasie der Kunstschaffenden, deren Figuren komplexer wurden.
Es war die Interpretation Gertrud Eysoldts in der Titelrolle dieser Elektra, die Richard Strauss bereits im November 1903 dazu bewog, eine auf dem Schauspiel basierende einaktige Oper in Angriff zu nehmen. Strauss kürzte das Stück zum Teil, um das Libretto auf die Beziehungen zwischen den beiden Schwestern Elektra und Chrysothemis — die eine auf der Seite des Todes, die andere auf jener des Lebens —, zwischen Elektra und ihrer Mutter Klytämnestra sowie schließlich zwischen Elektra und ihrem Bruder Orest zu konzentrieren, dessen Erscheinen schier unglaublich für sie ist: weil ihr Leben dadurch endlich einen Sinn bekommt und die Rache, die sie sich immerzu ausgemalt hat, endlich vollzogen werden kann.


Nach dreijähriger Arbeit an der Komposition wurde Strauss’ Oper am 25. Januar 1909 in Dresden uraufgeführt. Es war ein gewaltiges Ereignis. Schon mit den ersten Akkorden setzt der Komponist sein Publikum unter Strom. Auf Elektras Klage, ihren ersten großen Monolog „Allein! Weh, ganz allein!“, folgt jenes Monument der modernen Musik, das einem schon beim ersten Hören unwiderruflich im Ohr bleibt: die Beschwörung Agamemnons, dieses verzweifelte Flehen, dass der Schatten ihres Vaters sich ihr zu der Stunde, in der dieser einst von Klytämnestra ermordet wurde, zeigen möge.

Programm und Besetzung

Leading Team


Franz Welser-Möst - Musikalische Leitung
Krzysztof Warlikowski - Regie
Małgorzata Szczęśniak - Bühne und Kostüme
Felice Ross - Licht
Denis Guéguin - Video
Claude Bardouil - Choreografie
Christian Longchamp - Dramaturgie


Besetzung


Tanja Ariane Baumgartner - Klytämnestra
Aušrine Stundyte - Elektra
Asmik Grigorian - Chrysothemis
Michael Laurenz - Aegisth
Derek Welton - Orest
Tilmann Rönnebeck - Der Pfleger des Orest
Matthäus Schmidlechner - Ein junger Diener
Sonja Šarić - Die Aufseherin
Bonita Hyman - Erste Magd
Evgenia Asanova - Zweite Magd
Deniz Uzun - Dritte Magd
Sinéad Campbell-Wallace - Vierte Magd
Natalia Tanasii - Fünfte Magd


Ensembles


Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger - Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

Felsenreitschule

Die Idee, die Sommer- bzw. Felsenreitschule in ein Theater zu verwandeln, geht auf Max Reinhardt zurück, der bereits den Umbau der Winterreitschule angeregt hatte In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts brach man an dieser Stelle Konglomerat für den Bau des Domes. Unter Erzbischof Johann Ernst Thun wurden im Jahr 1693 nach Plänen des Barockbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach 96 dreigeschossig übereinander gelagerte Arkaden in die Wände des aufgelassenen Steinbruchs geschlagen, um von hier aus Reitvorführungen und Tierkämpfe beobachten zu können.

Als Max Reinhardt 1926 erstmals den Versuch unternahm, mit Goldonis Diener zweier Herren die Felsenreitschule für eine Inszenierung der Salzburger Festspiele zu nutzen, entsprach das Ambiente in idealer Weise der „realistischen“ Charakterkomödie im Volkstheaterstil: Gespielt wurde auf einer „Pawlatschenbühne“, der Boden bestand aus gestampfter Erde, und die Zuschauer saßen auf Holzbänken. Aber auch die 1933 in der Felsenreitschule errichtete Faust-Stadt von Clemens Holzmeister gehört zu den besonders eindrucksvollen Verwandlungen dieses Ortes. Eine erste Opernproduktion fand unter Herbert von Karajan in der Felsenreitschule statt: 1948 gelangte Glucks Orfeo ed Euridice zur Aufführung.

Seit Ende der sechziger Jahre wurden – vor allem nach Plänen des „Festspielarchitekten“ Clemens Holzmeister – einschneidende Umbauarbeiten vorgenommen: Es wurden eine Unterbühne, ein Orchestergraben und eine Scheinwerferrampe errichtet, ein wetterfestes Rolldach eingezogen, das vor Regen und kühlen Sommerabenden schützt, und schließlich ein Zuschauerraum mit Logen und Rampen sowie ein Kulissendepot geschaffen.

Jean-Pierre Ponnelles Zauberflöten-Inszenierung, die zwischen 1978 und 1986 hier allsommerlich gegeben wurde, errang einen legendären Status, aber auch Shakespeares „Römerdramen“ – Julius Caesar, Coriolan sowie Antonius und Cleopatra – in der Regie von Peter Stein und Deborah Warner erwarben sich in den frühen neunziger Jahren internationalen Ruhm.

Bereits im Zuge des Neubaus Haus für Mozart wurde in der Felsenreitschule eine neue Tribüne eingebaut, wodurch sich für das Publikum verbesserte Sichtbedingungen und Akustik ergaben. Seit Juni 2011 verfügt die Felsenreitschule über ein neues Dach.

 

Neuerungen sind insbesondere:

–    die neue Dachkonstruktion mit zwei fixen Randträgern und drei Elementen, gelagert auf fünf Teleskopträgern: Das leicht geneigte, aus drei mobilen Segmentflächen bestehende Pultdach ist auf fünf Teleskoparmen innerhalb von sechs Minuten ein- und ausfahrbar. Hängepunkte auf Teleskopträgern für Bühnentechnik (Kettenzüge), verbesserter Schall- und Wärmeschutz und zwei Beleuchterbrücken optimieren das Bühnengeschehen.

–    Neue Sicherheitstechnik inkl. Elektroinstallation, Bühnenlicht, Effektbeleuchtung und Effektbeschallung.

–    Das ausgebaute 3. Obergeschoß und der Rohbau des neu gewonnenen 4. Obergeschoßes unter dem Dach der Felsenreitschule – dies ermöglicht letztmalig Raum im Festspielbezirk zu erschließen.

Ähnliche Veranstaltungen