Tosca

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Januar 1970
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Puccinis Tosca ist ein in vielerlei Hinsicht herausragendes Werk, und die Präzision und Ökonomie, mit der der Komponist einen hochemotionalen Stoff in pure musikalische Spannung verwandelt, ist einzigartig. Die auf zwei Stunden Musik ver­dichtete fiktive Handlung spielt zu einem genau bestimmten historischen Zeitpunkt und an drei historischen Orten in Rom, die man heute noch be­sichtigen kann: in der Kirche Sant’Andrea della Valle, im Palazzo Farnese und im Castel Sant’Angelo. Mit Floria Tosca, Mario Cavaradossi und ihrem skrupel­losen Gegenspieler Scarpia hat Puccini alle drei Hauptfiguren des Stückes zu ikonenhaften Charak­teren der Interpretationskunst gemacht. Seit Gene­rationen verbinden Opernliebhaber legendäre Auf­tritte ihrer Lieblingssänger mit den einprägsamen Melodien von „E lucevan le stelle“, „Vissi d’arte“ und den überwältigenden Klängen des „Va! Tosca!“ zum „Te Deum“­-Finale des ersten Aktes.


Der Maler Cavaradossi, der mit den Republikanern sympathisiert und den geflohenen Revolutionär An­gelotti versteckt, gerät in die Fänge des Polizeichefs Scarpia. Scarpia wiederum benützt diese Situation, um der berühmten Sängerin Floria Tosca, Cavara­dossis Geliebter, ein brutales Geschäft anzubieten: Wenn Tosca sich seinen Wünschen hingibt, will er Cavaradossi das Leben schenken. Um ihren Gelieb­ten zu retten, lässt Tosca sich scheinbar auf den Handel ein … Im politischen Spannungsfeld von Machtmissbrauch und Intrige entspinnt sich ein Drama von Liebe, Eifersucht, sadistischem Begehren und psychischer wie physischer Gewalt zwischen den Polen Kunst, Religion und Politik. Dabei ist es die Musik, „die diese schwarze Geschichte voran­ treibt und ihr innerhalb weniger Takte immer wieder überraschende Wendungen gibt — wie ein genialer Soundtrack zu einem Film noir“, erläutert Regisseur Michael Sturminger. „Bei Tosca geht es um Menschen in Extremsituationen. Es gibt vielleicht keine zweite Oper, die so präzise und knallhart möglichst inten­sive menschliche Emotionen darstellt, die Protago­nisten einem andauernden Wechselbad der Gefüh­le aussetzt und damit eine singuläre musikalische Sogwirkung erzielt. Die Beziehungsgeschichte ist im Kern mit der Machtgeschichte und mit dem Thema ‚Künstler gegen repressiven Staat‘ ver­woben, das Politische fungiert als Hebel für die emotionalen Zustände, und all das ist eingebettet in ein böses politisch­-religiöses Machtspiel, das die Menschen brutal und zynisch den Interessen der Herrschenden opfert.“


Bei aller theatralischer Wirkung verliert Puccini seine aufklärerische Botschaft nie aus den Augen: Folter, Mord, Unterdrückung sind die unvermeid­baren Folgen unkontrollierter Macht und Willkür, seien sie politischer oder religiöser Art. Kein scho­ckierendes Detail erspart der Komponist seinem Publikum. Nur zwei Jahre nach dem Mailänder Massaker, bei dem ein königlicher General 82 seiner gegen die Erhöhung der Brotpreise de­monstrierenden Landsleute erschießen ließ, wussten Puccinis Uraufführungsbesucher, auf welcher Seite des politischen Spektrums sie sich die Figur des Scarpia vorstellen sollten und wie nahe das Unrecht war.
Anhand der Figuren und ihrer Konflikte lassen sich allgemeingültige Prinzipien menschlichen Verhal­tens ablesen. „Wir haben es bei Tosca mit Protagonisten zu tun, die in historischen Räumen agieren und unter der Last der Geschichte leben, heute genauso wie zur Entstehungszeit der Oper. Die archaische Wucht des Stücks wird — indem wir es in unsere Gegenwart holen — nicht durch eine moderne Alltäglichkeit aufgehoben, sondern mit zeitgenössischen Menschen in einem neuen Licht gesehen, das auf ein bekanntes, klassisches Meis­terwerk geworfen wird.“

Programm und Besetzung

Leading Team


Marco Armiliato - Musikalische Leitung
Michael Sturminger - Regie
Renate Martin, Andreas Donhauser - Bühne und Kostüme
Urs Schönebaum - Licht


Besetzung


Anna Netrebko - Floria Tosca
Yusif Eyvazov - Mario Cavaradossi
Ludovic Tézier - Il Barone Scarpia
Krzysztof Bączyk - Cesare Angelotti
Matteo Peirone - Sagrestano
Mikeldi Atxalandabaso - Spoletta
Rupert Grössinger - Sciarrone


Ensembles


Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor
Wolfgang Götz - Choreinstudierung
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger - Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

Großes Festspielhaus

Die Pläne für einem Großen Festspielhaus an der Stelle des ehemaligen erzbischöflichen Marstalles gehen in erster Linie auf den Architekten Clemens Holzmeister zurück; an seiner Seite brachte auch Herbert von Karajan Anregungen insbesondere zur Konzeption des Theatersaales in das Bauvorhaben ein. Jede gemachte Anstrengung und teuere Ausgaben wurden nicht gescheut, in die drei Jahrhunderte alte Fassade des ehemaligen Hofstalles und im Mönchsberg als ein Theaterhaus mit einer Opernbühne, deren Anlage und technische Ausstattung noch nach fünfzig Jahren international höchsten Ansprüchen gerecht wird, hinein zu stecken,: Zwischen Herbst 1956 und Frühsommer 1960 wurden 55.000 Kubikmeter Felsen gesprengt, um hierfür den entsprechenden Platz zu schaffen. Der Bau wurde größtenteils aus dem Budget der Bundesregierung finanziert, dementsprechend ist auch die Republik Österreich die Eigentümerin des Großen Festspielhauses.

 

Die Eröffnung des Großen Festspielhauses erfolgte am 26. Juli 1960 mit einem Festakt und der Aufführung von Richard Strauss’ „Rosenkavalier“ unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan. Schon damals erhoben sich Stimmen, die bedauerten, dass die in ihren Dimensionen zweifellos beeindruckende neue Bühne wohl kaum dem für intimere Räume konzipierten Opernschaffen Mozarts gerecht werden könne. Der nahezu quadratische Grundriss des Zuschauerraumes mit ca. 35 Metern Seitenlänge bietet im Parterre wie im Rang ideale akustische und optische Verhältnisse für 2.179 Sitzplätze. Der eiserne Bühnenvorhang mit einem Gewicht von 34 Tonnen ist in seiner Mitte ein Meter dick. Die geschliffenen Stahlplatten schuf Rudolf Hoflehner, den dahinter liegenden Hauptvorhang entwarf Leo Wollner. Die Konzertdekoration wurde 1993 von Richard Peduzzi erneuert. Von der Hofstallgasse aus gewähren fünf Bronzetore mit Türgriffen von Toni Schneider-Manzell dem Publikum Einlass. Die Fassade wird zudem durch eine lateinische Inschrift des Benediktiners Thomas Michels geschmückt: „Sacra camenae domus concitis carmine patet quo nos attonitos numen ad auras ferat.“ (Der Muse heiliges Haus steht Kunstbegeisterten offen, als Entflammte empor trage uns göttliche Macht.)

 

Bei der Ausgestaltung des Großen Festspielhauses sollte vor allem heimisches Material Verwendung finden: Die Stahlbetonsäulen im Eingangsfoyer wurden mit dem beim Abtragen der Mönchsbergwand gewonnenen Konglomerat verkleidet, der Boden besteht aus Adneter Marmor. Tiefstrahler in der Schrägdecke und Wandschalen aus Muranoglas sorgen für eine gediegene Beleuchtung. Zwei von Wander Bertoni geschaffene Plastiken aus Carraramarmor versinnbildlichen die Musik und das Theater. Die vier kreuzförmigen Großgemälde zum Thema „Dreams with the Wrong Solutions“, die von dem österreichischen Kunstmäzen und Sammler Karlheinz Essl angekauft und den Salzburger Festspielen als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden, stammen von dem New Yorker Maler und Bildhauer Robert Longo (1993).

 

In dem sich an das Eingangsfoyer anschließenden Pausensaal sind weitgehend die Grundzüge des fürsterzbischöflichen Marstalles erhalten geblieben. Neu ist der Boden aus grünem Serpentin mit Pferdemosaiken von Kurt Fischer. Das Stahlrelief an der Wand hat Rudolf Hoflehner als „Huldigung an Anton von Webern“ gestaltet. Durch das „Fischer-von-Erlach-Portal“ wird der Blick auf die Pferdeschwemme und den 1987 erworbenen Schüttkasten freigegeben. Ein eigener Zugang linkerhand des Pausensaales führt mittels Rolltreppe zur Altstadtgarage.

 

Die Errichtung einer „Fördererlounge“ im ersten Stock des Großen Festspielhauses wurde von den amerikanischen Kunstmäzenen Donald und Jeanne Kahn finanziert, die später Hauptmäzene der Festspiele wurden. Die Lounge dient seit 1995 als Empfangssaal für Förderer, Sponsoren sowie deren Gäste und bietet ebenso Raum für Pressekonferenzen und verschiedene Veranstaltungen im Rahmen der Festspiele.

 

Technische Daten:

Bühnenbreite: 100 Meter

Bühnentiefe: 25 Meter

Portalbreite: 30 Meter

Portalhöhe: 9 Meter

Fünf Hubpodien à 18 x 3 Meter; Fahrgeschwindigkeit max. 0.25 m / sec.; Tragfähigkeit jeweils 20 Tonnen

Hydraulische Bühnenmaschinerien (Doppelanlage von ABB)

Schnürboden: 155 Zugeinrichtungen mit einer Tragkraft von jeweils 500 kg, ein Drittel davon hydraulisch angetrieben und elektronisch steuerbar.

Beleuchtung: 825 regelbare Stromkreise mit einer Leistung von je mindestens 5000 Watt; digitales Lichtsteuerpult; 2000 Scheinwerfer im Gerätepark

Elektroakustik: Tonregiepult mit 16 Eingängen, 16 Summenausgängen und 4 Hilfsausgängen; Anschlüsse für Lautsprecher und Mikrophone im gesamten Bühnen- und Zuschauerbereich

 

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