Jedermann

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Januar 1970
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Nach mehr als 700 Vorstellungen in einem Jahrhundert ist der Jedermann zentraler Bestandteil der DNA der Salzburger Festspiele und schreibt seine Historie in einem fort: ein singulärer Vorgang im deutschsprachigen Theater.


Konzipiert als Wiederbelebung einer mittelalter­lichen Moralität nach dem Vorbild des englischen Everyman, angereichert durch Hecastus von Hans Sachs und andere Quellen, schreibt Hofmannsthal über Jahre in einem Europa der kulminierenden Konflikte an seinem Jedermann. Im Kopf immer eine mögliche Umsetzung durch Max Reinhardt: „Trug man, mit vergehenden Jahren, das Wesent­liche dieses dramatischen Gebildes stets in sich, zumindest im Unterbewusstsein, so regte sich all­mählich Lust und Freiheit, mit dem Stoff willkürlich zu verfahren. Sein eigentlicher Kern offenbarte sich immer mehr als menschlich absolut, keiner be­stimmten Zeit angehörig, nicht einmal mit dem christlichen Dogma unlöslich verbunden; nur dass dem Menschen ein unbedingtes Streben nach dem Höheren, Höchsten dann entscheidend zu Hilfe kommen muss, wenn sich alle irdischen Treu­ und Besitzverhältnisse als scheinhaft und löslich er­weisen, ist hier in allegorisch­-dramatische Form gebracht, und was gäbe es Näheres auch für uns?“ Das Wagnis, das Hofmannsthal hier explizit be­schreibt, frei mit dem Stoff zu verfahren, und seine thematische Rückführung, die weder zeitlich noch dogmatisch gebunden ist, bilden das ideologische Kraftzentrum des Jedermann.

 

„Im Kern stellt der Jedermann die Frage: Was pas­siert, wenn der Tod in das Leben tritt? Der Tod ist in unserer Kultur so sehr verdrängt wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Wir versuchen, uns zunehmend von unserer Endlichkeit abzuschotten und uns möglichst wenig damit zu konfrontieren, aber trotzdem ist letztlich allen klar: Um ein bewuss­tes Leben zu führen, ist es notwendig, einen reflek­tierten Zugang zum Tod zu finden. Das gehört grundsätzlich zum Leben dazu. Der Mensch muss sich irgendwann mit dem Tod auseinandersetzen; er wird dieser Konfrontation nicht entgehen. Das Mysterium, das dieses Rätsel vom Tod des Men­schen und seiner Begegnung mit dem Tod umgibt, existiert in allen Religionen und Kulturen. Und seit Menschen singen und schreiben, Kunst und Bilder produzieren, beschäftigt sie dieses Thema.


Unsere Inszenierung zielt auf eine zeitgenössische Lesart. Wir holen die Menschen in der Gegenwart ab und versuchen, sie mit einer Geschichte zu be­rühren, die zu jeder Zeit große Relevanz hat.


Es gibt im Jedermann, abgesehen vom Stil der Sprache, wenige Hinweise auf die Zeit. Hofmanns­thals Sprache, die aus der Wende zum 20. Jahr­hundert stammt, kreiert ein Kunstmittelalter, etwas Klassizistisches, eine Nachschöpfung eines anderen Stils, die natürlich viel über ihre eigene Zeit aussagt. Mit der Figur des Jedermann, die Hofmannsthal auf den reichen Mann zugeschnitten hat, spezifiziert er diesen Menschen. So wird sein Jedermann zum ,Spiel vom Sterben des reichen Mannes‘. Trotz dieser Definition steht Jedermann für alle Menschen, weil alle Menschen sterben müssen, wobei es dem Hof­mannsthal’schen Jedermann besonders schwerfällt, sich vom Weltlichen zu trennen. Das ist die Zu­spitzung.


Auch wenn sich Hofmannsthal stilistisch ins Mittel­alter schreibt, steht er doch an einem ganz anderen Punkt der Literaturgeschichte. Mit Max Reinhardt hatte er zudem einen extrem starken Theatermacher an seiner Seite, der — wie Stanislawski zur selben Zeit in Russland — die Entwicklung des neuen Berufsbildes eines modernen Regisseurs prägte. Erheblichen Anteil am Erfolg des Jedermann in Salzburg hatte beim Spiel auf dem Domplatz die direkte Konfrontation des Theaters mit der Kirche, die auch die letzten Dinge verhandeln will, also die Begegnung zwischen Profanem und Spirituellem. Mit dem Domplatz fand Reinhardt einen Ort, wo er diese Pole aufeinanderprallen lassen und für sich eine ganz große Theatralik entwickeln konnte.“

Programm und Besetzung

Leading Team


Michael Sturminger - Regie
Renate Martin, Andreas Donhauser - Bühne und Kostüme
Wolfgang Mitterer - Komposition
Jaime Wolfson - Musikalische Leitung
Stefan Ebelsberger, Hubert Schwaiger - Licht
Andreas Heise - Choreografie
Angela Obst - Dramaturgie


Besetzung


Peter Lohmeyer - Stimme des Herrn / Tod / Der Spielansager
Tobias Moretti - Jedermann
Edith Clever - Jedermanns Mutter
Gregor Bloéb - Jedermanns guter Gesell / Teufel
Markus Kofler - Der Koch
Helmut Mooshammer - Ein armer Nachbar
Michael Masula - Ein Schuldknecht
Martina Stilp - Des Schuldknechts Weib
Caroline Peters - Buhlschaft
Björn Meyer - Dicker Vetter
Tino Hillebrand - Dünner Vetter
Christoph Franken - Mammon
Mavie Hörbiger - Werke
Falk Rockstroh - Glaube


Ensemble


Ensemble 013

Domplatz

SALZBURGER FESTSPIELBEZIRK  

Das Große Festspielhaus, das Mozart Haus und die Felsenreitschule bilden zusammen mit dem 200 Meter entfernt gelegenen Domplatz und der Kollegienkirche den Festspielbezirk. 1606/07 ließ Erzbischof Wolf Dietrich hier Stallungen erbauen, die 1662 um eine Winterreitschule erweitert wurden. Im 19. Jahrhundert diente der Komplex als Kavalleriekaserne, ehe er ab 1925 schrittweise den Salzburger Festspielen geöffnet wurde.

„Ich sehe [Alexander] Moissi [den ersten Jedermann] schon vor dem Dom knien“, soll Max Reinhardt gesagt haben, als Hugo von Hofmannsthal ihn ermahnte, die Finanzierung der Aufführungen zu bedenken. Doch Reinhardt blieb zuversichtlich: „Irgendwie wird sich das Geld schon finden, das ist Nebensache. Ich denke jetzt vor allem an die Schätze, die wir bereits besitzen: Eine großartige Dichtung, einen Schauplatz, wie er auf der Welt nicht noch einmal zu finden ist.“

Der zwischen 1614 und 1628 nach Plänen von Santino Solari errichtete Salzburger Dom, die größte frühbarocke Kirche nördlich der Alpen und gleichzeitig die älteste Bischofskirche des heutigen Österreich, bildet einen eindrucksvollen theatralischen Hintergrund für die Moralität nach mittelalterlichem Vorbild: Keine Kulisse kann die überwältigende Wirkung der mächtigen Doppelturmfassade aus weißem Marmor mit Christus als Weltenherrscher auf dem Giebel zwischen den Türmen ersetzen. Der geschlossene Platz zwischen fürsterzbischöflicher Residenz und Stift St. Peter bietet rechts und links der Fassade Durchgänge, die für Auftritte und Abgänge genützt werden können. Das Flachdach über diesen Dombögen eignet sich für Rufer und Bläser. Den Domtürmen gegenüber sticht der gotische Spitz der Franziskanerkirche empor, auf dem ebenso wie auf anderen Kirchtürmen der Altstadt sowie auf dem Mönchsberg und Kapuzinerberg jene Männer stehen, die Jedermann in den Tod rufen. Max Reinhardt überließ die Lichtregie der Sonne: Das Spiel begann um 17.00 oder 17.30 Uhr, wenn der Großteil des Platzes noch in gleißendem Licht liegt. Beim Auftritt des Todes wurden die Schatten lang, wenn der Teufel kam, war das Sonnenlicht verschwunden.

Die Zuschauertribüne ist heute für 2.544 Sitzplätze eingerichtet. Im Inneren des mobilen Spielpodests sind mehrere Personenversenkungen und Auftrittsklappen eingebaut. Bei Schlechtwetter wird das Große Festspielhaus als Ausweichquartier für den Jedermann verwendet.

Der Dom von Salzburg beherrscht mit seiner markanten, zweitürmigen Fassade und dem mächtigen Baukörper das Bild der Altstadt. Die barocken Plätze, die ihn umgeben, formen eine einzigartige Bühne, die von den Festspielen genutzt und von der Unesco als Weltkulturerbe gewürdigt wird.

Der heutige Dom hatte zwei mittelalterliche Vorgänger, von denen Reste in der Krypta zu sehen sind. Den ersten Dom weihte der hl. Virgil 774. Unter Erzbischof Hartwik (991-1023) wurde dieser Bau erweitert, unter Erzbischof Konrad I. (1106-1147) mit zwei Westtürmen versehen.
1167 brannte der im Kern immer noch karolinigische Dom nieder. Erzbischof Konrad III. (1177-1183) ließ daraufhin einen gewaltigen, romanischen Neubau errichten, der 110 m lang war, fünf Türme hatte und wohl den Domen in Mainz und Worms ähnlich sah. Nach einem Brand wurde 1598 auch er abgerissen.

Der Grundstein des bestehenden, barocken Domes wurde 1614 gelegt. 1628 wurde er durch Erzbischof Paris Lodron geweiht. Etwa vierzig Jahre später waren die Türme und die umgebenden Plätze vollendet.
Der barocke Bau beeindruckt durch seine klaren Formen, den einheitlichen Dekor und die leuchtende Fassade aus heimischem Marmor. Sein Architekt, Santino Solari, stammte aus Italien. Er schuf den bedeutendsten Kirchenbau jener Zeit nördlich der Alpen, der die Architektur in ganz Österreich und Süddeutschland beeinflusste.

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